Sie haben ueber einen Traum "ein Zuhause zu finden, wo wir nahe bei unseren Freunden sind,,," erzaehlt. Koennten Sie etwas nehr darueber erzaehlen? Duerften Sie fuer uns diesen Traum "photographieren"?

Zuhause ist für mich vor allem da, wo Vertrauen ist.
Zuhause ist für mich da, wo eine liebevolle Haltung zueinander nicht durch andere Dinge verdrängt wurde.
Zuhause ist für mich da, wo Frieden ist.
Zuhause ist für mich da, wo Gott einen Raum hat.
Zuhause ist für mich nicht unbedingt ein bestimmter Ort und kann deshalb überall sein.
Wir sind im Augenblick (4 Tage) in Rom. Diese Stadt bietet mir im Augenblick das Gefühl von Zuhause.

Welche Subjekten, ausser der bei den Dreharbeiten, bevorzugen Sie?

Mich interessiert die innere Haltung von Menschen, die sich in einer Geste ausdrücken kann in einer Bewegung, in einer Art sich zu kleiden oder in einer Tätigkeit. Mich interessieren auch Orte und die Art und Weise, wie sich Menschen dort aufhalten und verhalten. Besonders bin ich daran interessiert bei einem Menschen das zu entdecken, was ihn so liebenswert macht. Das hat auch mit der Suche nach dem Vertrauen zu tun, was ich mit Heimat oder Zuhause beschrieben habe. Vielleicht fotografiere ich vor allem das, worein ich vertraue.

Interessieren Sie sich, als Fotografin, fuer die armen Leute der Welt?

“Die Armen Leute in der Welt” sind für mich vor allem die, aus welchen Gründen auch immer, zu wenig Liebe empfangen haben und die von dem Vertrauen in die Liebe wenig oder nichts wissen. Die sind für mich die ärmsten Menschen. Da habe ich ein grosses Interesse für meine Arbeit als Fotografin.
Für die armen Leute in der Welt, wenn es um Hunger, Durst, Kälte oder Krankheit geht, interessiere ich mich als Mensch, aber nicht als Fotografin. Ich fotografiere weder Elend noch Leid, das aus einer finanziellen oder politischen Armut kommt. Da tue ich bisher alles andere als fotografieren. Wenn es um eine bestimmte Geschichte geht, wo es darum geht, die Armut zu lindern, bin ich sofort dabei.

Sie leben mit einem weltberuehmten Mann, mit einem geschaetzten Kuenstler. in diesem Sinne koennte man sagen, dass Sie die Welt von einem beguenstigten Standpunkt anschauen. Ist es war? Welches Erlebnis haben Sie von diesem Lebenszustand?

Ja, das kann ich absolut bestätigen. Mit Wim verheiratet zu sein, bedeutet die Welt von einem “Standpunkt” aus zu sehen, der ungeheuer facettenreich ist, weil sich die Perspektive ständig ändert.
Wim ist ein Nomade. So bin auch ich eine Nomadin geworden.
Das ist in unserer heutigen Zeit zwar ein wachsendes Phänomen aber unterscheidet sich von den meisten Menschen insofern, als Wim das Streben nach Sicherheit ganz abgeht.
Er zieht seine Sicherheit aus Wahrnehmungen und Geschichten, die er erlebt oder im wahrsten Sinne des Wortes er-fährt (da steckt das Wort “fahren” drin).
Diese Lebensweise macht ihn außergewöhnlich wach, offen und auch sehr verwundbar.
Die Verwundbarkeit unterscheidet ihn von vielen Menschen, die ihrer Sehnsucht nach Sicherheit nachgehen... und das macht aus ihm eben den Künstler, der er ist.
Diese Art zu leben hat natürlich auch mich geprägt und zuerst mal meine Beziehungen und Freundschaften geprägt. Freunde sehe ich in intensiven Begegnungen, sporadisch. Ich sehe es mehr und mehr zu einer Zeiterscheinung werden. Das hat so manche Freundschaften stark und unverwüstlich gemacht.
Für mich sind Begegnungen mit Menschen, wie ein Mosaik von einer großen Freundschaft. Darin ist jeder Stein eine ganz besondere Farbe und mit einer ganz wunderbaren und eigenen Qualität und Oberfläche und innerhalb dieses Mosaiks gibt es natürlich für mich ein paar Edelsteine. Für mich sind vor allem die menschlichen Begegnungen auf unseren Reisen mehr und mehr von Bedeutung.
Ich habe bisher erfahren dürfen, wie Menschen aus verschiedensten Kulturen und solzialen Schichten auf ein und demselben Weg sind: im Leben anzunehmen, dass wir geliebt sind und zu lieben. So banal das klingen mag, aber alles läuft meines erachtens darauf hinaus.
Ich habe Menschen, mit großer innerer Stärke und andere in derselben Lage erlebt, die die Sonnenseite des Lebens einfach nicht sehen können...
Jeder ist so allein mit seinem Leben, so einzigartig in seiner Freude und seinem Leid, überall auf der Welt.
Ueberall sind die Menschen mit starkem Glauben die glücklicheren.


Photographen, welche sind Ihre Lieblinge?

Ich habe Phasen mit verschiedenen Regisseuren und Fotografen.
Wenn ich nun aber schreibe, dass ich E. Steichen, A. Stieglitz, P. Strand und C. Bresson als meine grossen Lehrer und Lieblinge bezeichne, werde ich immer dahinter stehen können.

Wie geschah ihre erste Begegnung? wer von euch war in den anderen zuerst verliebt?

Wim und ich haben uns an meinem 27. Geburtstag kennen gelernt. Es gab ein Seminar an der Sommerakademie 1992 in Berlin von Robby Müller und Wim über ihre Zusammenarbeit. Sie haben von ihre gemeinsamen Filme gesprochen, und für mich gab es zu der Zeit kaum etwas Spannenderes. Wir wurden von einem gemeinsamen Bekannten einander vorgestellt und weiter war nichts. Ich hatte gleich ein ganz selbstverständliches Vertrauen zu Wim. Wer hat das aber nicht? Ich habe im Traum nicht gedacht, dass wir ein Jahr später verheiratet sein würden. Das mit dem Verlieben kam erst ein halbes Jahr später. Wir haben uns nach den Dreharbeiten von FARAWAY, SO CLOSE! zur selben Zeit ineinander verliebt, als wir merkten, wir gehören zusammen.


Warum schwarz/weiss?

Schwarz/weiss, weil es meine Aufmerksamkeit auf die Stimmung einer Person konzentriert.
Weil es in meinen Bildern oft um eine innere Realität geht, die sich zwar aussen abbildet und zeigt, aber einfach ein Ausdruck von einer inneren Haltung ist... das habe ich in Farbe noch nicht so hingekriegt wie beim Schwarz/Weiss. Ich arbeite aber daran.

Arbeiten Sie auch im Digital?

Bisher arbeite ich vor allem in der Nachbearbeitung digital. Ich habe noch keine digitale Kamera. Aber das ändert sich bestimmt bald.

Ihre Meinung ueber die Nackheit, insbesondere der weiblichen Nackheit in der Photographie?

Die Frage sehr allgemein.
Sprechen Sie von der Akt-Photographie als künstlerische Form?
Dann ist der nackte Körper ein Kunstwerk besonders dann, wenn aus einer solchen Akt-Fotographie die Schönheit, die Anmut, die Zerbrechlichkeit und Zartheit oder auch Stärke eines Körpers herauskommt.
Ich bin für jegliche Art von Pornophotographie nicht so zu haben. Das finde ich abstoßend, weil die Lust nach Sex angeregt werden soll, ohne Liebe mit einzubeziehen. Das hat für mich gar keine Schönheit. Schon im Ansatz nicht.
Der menschliche Körper ist ja immerhin ein großartiges Werk Gottes, der weibliche -, wie der männliche Körper und ich sehe ihn gerne als einen solchen auch an.

 

> back to Donata's page