1) Was bedeutet fuer Dich " Kollaboration mit Herrn Wenders"?

Kollaboration bedeutet doch: Gemeinsam Arbeiten/ Zusammenarbeit, oder? Wim und ich begleiten einander eher, als dass wir in dem Sinne "zusammen arbeiten". Ich denke, da besteht ein wesentlicher Unterschied.

Ein großer Teil unseres Lebens ist unsere Arbeit, die von unserem "Privatleben" gar nicht zu trennen ist.

Am Anfang unserer Ehe, vor nun gut 9 Jahren, ging es für uns beide täglich um Wim's Filme, Seine Texte, Seine Photographien, Seine Zeichnungen, die vielen Reisen zu Filmfestivals, zu Dreharbeiten, Musikaufnahmen, Reisen für eine Motivsuche, Seine "Lectures" an Filmhochschulen… es war einfach immer viel los und ich habe ihn mit Begeisterung begleitet, wohin - und zu welchem Anlaß auch immer. Ich fand einfach alles war sehr aufregend. Diese drei Jahre, waren erst mal wichtig um zu begreifen, welch einem einmaligen Mann ich zur Seite gestellt war, bevor ich an irgendetwas anderes denken konnte. Erst danach fing ich selbst an zu fotografieren. Der Wunsch etwas eigenes zu tun, ohne Wim allein lassen zu müssen, war groß in mir geworden. Wim war von Anfang an voller Unterstützung dafür, daß ich mit "meinen Pfunden wuchere" (ist ein deutsches Sprichwort, das aus der Bibel kommt, verstehst Du es, Yoshiko? Also, es bedeutet, daß ich was mit meiner Begabung mache.) Wim hat mich so unterstützt und hat mich so ermutigt, die Fotografie für mich als Arbeitsfeld ernst zu nehmen, daß ich es wirklich eines Tages auch getan habe. Seit sechs Jahren tauche ich immer mehr in die Fotografie ein und ich begreife mich seit 2 Jahren wirklich auch als Fotografin.

Wir begleiten einander also und versuchen dem anderen den Raum zu geben, den jeder braucht um zu arbeiten. Wim mit seinen Beruf als Filmemacher, mit seinen Texten, Fotografien, und allem was dazu gehört, ich mit der Fotografie und meiner Begeisterung für die Bibel und allem, was damit zutun hat.

Wim und ich sprechen über unsere Arbeiten, die Filme, die Fotos, Ideen und Gedanken im Schneideraum, in der Dunkelkammer,..Der kreative Moment selbst, ist oft einer, bei dem wir nicht direkt zusammen sind, aber doch beieinander. Wie kostbar es wirklich ist, sich im Schutz des anderen zu wissen, und doch allen denkbaren Freiraum zu haben, ist beinahe unbeschreiblich. Nicht, daß ich immer fotografiere wo und wann ich will, das meine ich nicht. Vielmehr, Immer einen Menschen an der Seite zu haben, der einen mit seiner Liebe trägt, ist einfach ein großer Reichtum. Es ist wie ein Schutz, ein Halt, ein Arm, an den man sich lehnen kann, wenn man mal alles verwirft oder anzweifelt und denkt nichts wird jemals mehr… - und das kennt jeder.

Unsere "Kollaboration" ist also eher ein "Hand in Hand gehen", ein zu-arbeiten, ein Freundschaftsdienst, als eine herkömmliche Zusammenarbeit. Es ist auf jeden Fall so, daß die Termine von Wim unseren Alltag bestimmen. Ganz klar. Aber darin kann ich viele "Zeiträume" einbauen, die ich für etwas ganz eigenes benutzen kann und ich lerne das immer mehr wirklich zu nutzen.

Wenn Wim einen Spielfilm dreht, bin ich immer dabei. Als seine Frau und als Set-Fotografin. Das ist für uns beide die ideale Kombination, obwohl es für uns beide die schönste Phase ist, wenn er im Schneideraum ist und ich in der Dunkelkammer bin.

Besonders interessieren mich bei den Drehbarbeiten die Momente hinter den Kulissen. Wenn sich Schauspieler vorbereiten, wenn sie warten, wenn sie ihre Rolle studieren, im Make-up sitzen… was auch immer… es gibt da viele sehr schöne Momente, die, wie ich denke, auch andere interessieren. Und es ist schön, dem Interesse mit Bildern begegnen zu können und damit auf die Dreharbeiten einen anderen Blick zu werfen.

2) Was ist fuer Dich "Photographie"?

"Photographie ist, wenn ich sehe, was ich sehe."

Photographieren ist nicht immer ein und derselbe Prozeß. In den besonderen Fällen ist es eine Vision, die ich umsetze. Aber diese Art zu photographieren, liegt für mich noch etwas in der Zukunft, und ich freue mich darauf. Im Augeblick beobachte ich eher, was wirklich geschieht. Bei dieser zweiten Art zu photographieren, bin ich in jedem Fall in meinem Element. Ich liebe es, Momente eines Menschen zu beobachten, in denen eine Art absoluter Schönheit wiederzufinden ist. Eine Schönheit, die sich jeder gerne ansieht. Eine Schönheit, die aus dem Herzen kommt und sich in Geste, Mimik und Eigenart ausdrückt. Das Schöne in jedem sehen, das ist, was mich interessiert. Man kann auch dazu sagen, Gott in jedem sehen. Die Liebe in jedem sehen… oder wie man auch immer will. Dabei beginne ich selbst die Menschen, die ich fotografiere, so zu sehen, daß ich sie liebe. Menschen, die ich fotografiert habe, sind mir oft für immer ins Herz gebrannt. Eben weil ich sie "gesehen" habe. Das bedarf einer öffnung, die wiederum von dem Menschen da sein muß, den ich gerade photographiere.

3) Was ist fuer Dich wichtig in Deinem Leben?

A) Der Glaube

Wichtig für mich ist es, einen innigen Bezug zu Gott zu haben, zu Jesus Christus. Alles andere kommt danach.

Das klingt für viele Leute vielleicht unmodern aber die Bibel ist für mich das Wort von Gott, das mir Leben gibt, Hoffnung, Mut und Klarheit in Situationen, in denen ich im Alltag Fragen habe. Dieses Buch ist für mich die Anwesenheit Gottes in meinem Leben, ist für mich die köstlichste Speise, das größte Luxus-Essen, das ich mir denken kann. Nur leiste ich es mir zu selten so richtig ausgiebig. Wichtig ist mir auch das Gebet, denn das ist auf deutsch/japanisch: Gott küssen. Ein "gute Nacht"-Kuß, ein Kuß auf die Stirn, auf die Hand, auf die Schläfen… es ist auch manchmal wie einWange an Wange liegen... einfach eine große Innigkeit mit Gott.

B) Die Ehe

Wichtig sind mir die vielen täglichen Momente geworden, in denen Wim und ich uns kurz umarmen. Einfach so, zwischendrin. Manchmal schweigend, manchmal mit einer Liebeserklärung, manchmal mit einem Blick, der alles sagt, manchmal zur Begrüßung am Frühstückstisch… immer anders.

C) Freunde & Familie

Wichtig sind mir auch, daß ich eine Freundin/Schwester etc. bin. Jedem das Gefühl zu geben, daß ich trotz der äußeren Abwesenheit, doch die Verbindung halte… und das tue ich durch Gebete, Postkarten, kleine Briefe, E-mails…

D) Natur

Ausserdem ist mir wichtig, daß ich ab und zu Natur um mich habe.
Vögel hören,
Blätter rauschen hören,
Farben sehen,
die Sonne,
Regen hören und spühren und riechen,
gute Luft atmen… einem Schaf, einer Kuh oder einem Salamander in die Augen sehen,
meine Sinne und mein Herz sehnen sich danach von Zeit zu Zeit.

4) Was ist fuer Dich der Unterschied zwischen " Alleinleben" und "Zusammenleben"?

"Allein leben" würde fur mich bedeuten, mein Leben ganz und gar Gott zu widmen. Die einzige Gefahr im Alleinleben besteht darin, daß man komische Lebensformen annimmt, ohne es selbst zu bemerken.
Ein "Zusammenleben" hat eigentlich dasselbe Ziel, nur daß man eben das Priveleg hat, das gemeinsam zu tun. Die einzige Gefahr besteht hier darin, mehr mit dem Ehepartner/oder mit den Menschen, mit denen man zusammenlebt, zu sprechen als mit Gott.

5) Du bist gluecklich verheiratet und arbeitest als Photographin. Hast Du sonst Wünsche oder Träume für die Zukunft ?

Natürlich. Ich kann mir gar keinen Menschen vorstellen, der keine Träume hat.

Erst mal ist mein Traum in dem, was ich mache noch viel besser zu werden. Dh. Darin, eine gute Ehefrau zu sein, mit allem, was für mich dazu gehört und eine gute Fotografin zu sein, ebenfalls, mit allem was eben damit für mich verbunden ist.

Dann ist ein Traum von mir, ein Zuhause zu finden, wo wir nahe bei unseren Freunden sind, und wo wir uns beide Zuhause fühlen, es Stille gibt, sprich, eine kleine Oase, in der man sich schnell wieder erholt, eine Augen- und Ohren-weide, ein Zuhause, das trotzdem nicht oll aussieht, wenn man erst nach Monaten wieder hin kommt und wo unsere Freunde auch immer sein können und hinkommen wollen, ob wir da sind oder weg sind.

Dann habe ich auch den Traum, daß ich in der Lage bin, immer aus der Liebe Gottes zu schöpfen und nicht aus mir heraus.

6) Was sagt Herr Wenders ueber Eure Ausstellung in Japan?

Er freut sich sehr!! Und versucht alles, um da zu sein.

 

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