1. Was ist für Sie Berlin?
Weil ich in Berlin aufgewachsen bin, verbinde ich mit der Stadt immer
noch den Genuß endlich anzukommen... das hat natürlich
mit der ehemaligen Mauer zutun... es war immer eine langwierige, meist
nervige Fahrt durch die damalige DDR bis Berlin... "Endlich!
Wir sind da!", Aufatmen, Fahrtwind, Birken, Kieferngeruch und
Freiheit. Davon ist nicht mehr alles übrig geblieben... aber
dieses Gefühl verbinde ich immer noch mit Berlin.
Inzwischen ist Berlin eine andere Stadt geworden. Ich wohne in Mitte,
wenn ich da bin und gewöhne mich an eine neue Stadt. Zehlendorf
und Charlottenburg sind noch immer mein Zuhause.
2. Welche Mode tragen Sie?
Am liebsten Yohji Yamamoto (Tokyo) und Andrea Schelling (Berlin).
3. Sie fotographieren
nur schwarz-weiss. Warum nur schwarz-weiss? Im Gegensatz dazu fotographiert
Ihr Mann nur farbig, wie ist Ihre Zusammenarbeit?
Schwarzweiss transportiert eine Stimmung oder ein Gefuehl,
und in dem Moment, in dem ich die Chance habe, dabei zu sein, empfinde
ich dies viel staerker als wenn ich in Farbe fotografieren wuerde.
In einem Farbfotografen steckt noch mehr ein Maler als in dem Fotografen,
der sich auf Schwarzweiss konzentriert. Das ist ja bei Wim der Fall,
obwohl er frueher auch schwarzweiss fotografiert hat. Eigentlich ist
die Farbfotografie viel komplexer. Es geht um die Komposition von
Licht, Farben und Formen. In schwarzweiss kann ich mich einfach nur
auf die Menshen konzentrieren. Wim ist tatsaechlich auch ein guter
Maler, nur kommt er nicht zum Malen.
Ich bin eher die Grafikerin in der Familie, und es kommt
mir besonders auf den Ausdruck eines Gesichtes oder einer Koerperhaltung
oder einer Lichtstimmung an, die sich in ihrer Einfachheit vor allem
in Schwarzweiss zeigen. In der Malerei finde ich auch am meisten Gefallen
an Zeichnungen, an Bleistift-Skizzen, an Tinte und Kohle-Entwuerfen.
Ich liebe Zeichnungen, die mit wenigen Strichen etwas darstellen.
So ist es auch bei der Fotografie. Grafischere, klare Bilder liegen
mir sehr.
Die Zusammenarbeit mit Wim ist die denkbar ideale: Wir
reisen und arbeiten ueberall zusammen. Vor allem unterstutzen wir
einander in allem, was wir tun. Wenn er ein Drehbuch schreibt, wo
auch immer er das tun moechte, bin ich da und kann am selben Ort Fotos
machen. Wenn wir auf Motivsuche sind, fotografieren wir beide, Wim
in Farbe und ich in schwarzweiss. Wenn er dreht, sind wir am Set zusammen,
und er dreht und fotografiert seine Stills und ich fotografiere, was
mich vor allem interessiert: Die Menschen, die vertieft in ihrer Arbeit
stecken. Zusammen sind wir auch einfach ueberall Zuhause. Das macht
viel aus, gibt einem Geborgenheit, wo auch immer man ist. Ich bin
sicher, viele Menschen traeumen von einer solchen Ehe und einer solchen
schoenen Zusammenleben.
Ich profitiere auch wirklich ungeheuerlich davon, dass
wir fast staendig permanent-collection sind und oft mit sehr interessanten Leuten
zusammen sind. Ein Grundvertrauen auf seiten dieser Menschen ist dann
meistens von vornherein da, und so habe ich die Freiheit zu fotografieren,
wie ich will. Das ist eine sehr privilegierte Situation. Ich bin mir
dessen auch bewusst und sehr dankbar darum. In der Fotografie ergaenzen
wir uns wie im Leben. An ein und demselben Ort sehen wir verschiedene
Dinge. Waehrend Wim einen einzigartig begabten Blick fuer den Ort
hat, die Geschichte einfaengt, die dort stattgefunden hat oder gerade
stattfinden koennte, gehe ich meist mehr ins Detail, konzentriere
mich auf eine Person, eine Bewegung, eine Haltung, ein Gefuehl oder
ein Lichtspiel. Das schoene ist wirklich, dass sich diese Bilder ergaenzen,
so wie wir uns ergaenzen.
Donata Wenders